Die Europäische Zentralbank (EZB) macht keinen Hehl daraus: Finanzinstitute spielen als Kapitalgeber, Versicherer und Akteure auf den neuen „grünen“ Kapitalmärkten eine zentrale Rolle bei der Ökologisierung der Wirtschaft. Auch deshalb, so Cornelia Holthausen, Director General Macroprudential Policy and Financial Stability, müsse die EZB ein wachsames Auge auf die „Übergangs- und physischen Risiken“ haben, denen Banken durch ihre Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen, Konsumenten und Regierungen ausgesetzt sein könnten.

Die EZB schätzt, dass 30 Prozent des Kreditrisikos der Eurozonen-Banken auf Geschäften mit Unternehmen beruhen, die aufgrund des Klimawandels einem hohen physischen Risiko ausgesetzt sind. Holthausen sagte, diese Risiken konzentrierten sich zwar auf bestimmte Regionen – bspw. sonnenreiche Küsten und flutgefährdete Gebiete – sowie bestimmte Branchen – etwa Bergbau, und Energieerzeugung. Dennoch hätten sie das Potenzial, andere Institute und damit unter Umständen das ganze Finanzsystem in Mitleidenschaft zu ziehen.

Aus diesem Grund habe die EZB in den letzten Jahren ihre Denkweise in Bezug auf die Überwachung des Klimas klar strukturiert und ein eigenes Climate Change Center eingerichtet. Sie achte nun stark auf Klimarisiken und mögliche „systemische Risiken“, die schwerwiegenden Folgen für Finanzinstitute und die Realwirtschaft haben könnten, so Holthausen. Inzwischen führe die Zentralbank langfristige Klima-Stresstests durch: Einer Kosten-Nutzen-Analyse der Klimatransformation im Jahr 2021 folgte im September 2023 eine Folgenabschätzung von Netto-Null-Übergangspfaden.

Ohne einen Blick auf den Klimawandel scheint bei der EZB nichts mehr zu gehen: Holthausen und ihre Kolleg*innen messen und bewerten die Risiken, die das Klima für das Finanzsystem birgt; die Bankenaufseher beziehen diese in ihre Arbeit ein, um sicherzustellen, dass Banken die Risiken angemessen steuern können; ihre Ökonomen berücksichtigen Klimaschutz und weitere Maßnahmen in makroökonomischen Modellen und Projektionen; ihre Währungshüter beziehen Klimaschutzaspekte in ihre Geldpolitik ein.