Der Transformationsturbo ist gezündet

Drei Fragen an: Dr. Markus Thiesmeyer, Managing Director, zeb

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Die Welt fährt auf Sicht. Alle reden von einer VUCA-Welt. Trauen Sie sich zu beschreiben, wie es Ende dieses Jahres aussehen wird?
MARKUS THIESMEYER
: Wir wussten alle vor der Pandemie, dass Transformationen immer mehr Tempo aufnehmen. Seit dem letzten Jahr ist nun wirklich der “Transformationsturbo” gezündet. Veränderungen, die vorher schon absehbar waren, brechen sich Bahn. Stichwort Digitalisierung: Es kommt keiner mehr umhin, dass dort nun massiv in Infrastruktur, Prozesse und Köpfe investiert wird. Nachhaltigkeit - oder besser ESG: Das ist kein Liebhaber-Thema mehr. Es wird zum neuen Standard. Und auch politische Entscheidungen: Man kann viel im Einzelnen kritisieren, aber wann gab es schon einmal so viel Entscheidungen in so kurzer Zeit. Dieses Momentum sollte man doch nutzen.

Wo steht die Finanzbranche Ende 2021?
2020 hat bereits neue Standards gesetzt, was digitale Prozesse im Banking angeht. Ich gehe davon aus, dass die Digitalisierung in diesem Jahr auch in Deutschland nochmals einen Satz nach vorne machen wird. Das gleiche gilt für Nachhaltigkeit: Das liegt an Kundenerwartungen, an den Regulatoren, aber ist auch politisch induziert. Nicht-finanzielle Faktoren - wie etwa Diversität oder Agilität - werden an Bedeutung gewonnen haben. Und wir werden bis Ende dieses Jahres auch eine Reihe von Konsolidierungen in der Wirtschaft erleben … Aber keine Sorge: Wir werden auch viele alte Themen behalten - denken wir angesichts der Niedrigzinspolitik beispielsweise an das Thema “Fristentransformation” und die Zinsstrukturkurve. 

Sind denn die Belegschaften ausreichend auf diesen Wandel vorbereitet und akzeptieren sie ihn?
Ein wichtiger Punkt: Viele Geschäftsmodelle werden erkennen, dass mit dem Wechsel der Ertragsquellen auch ein komplett anderes Mindset und Zusammenarbeitsmodell notwendig ist. Für die Finanzdienstleister: Von langfristigen Zinserträgen in kurzfristige Provisionserträge. Der Wandel und die damit verbundenen Anforderungen an neues und agiles Arbeiten verlangen allen viel ab. Akzeptanz ist ein erfolgskritischer Faktor. Hier kommt auf die Arbeitgeber große Verantwortung zu. Dabei bin ich nicht bange. Ich rechne damit, dass das Unternehmertum mehr Bedeutung erlangen wird.