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Von „Euroboom“ zu „Eurogloom“: Prognosen für europäische Banken

Vier Szenarien, die Europas Banken Anlass zur Besorgnis geben dürften

  • Neue Regulierungen verschärfen das bestehende Rentabilitätsproblem europäischer Banken

  • Eine Zinswende ist nicht nur unrealistisch; sie würde bei den meisten Banken auch nicht ausreichen

  • Veränderungen des Geschäfts- und Betriebsmodells sind notwendig

Dunkle Wolken am Horizont

Bei einem aufziehenden Sturm tut ein kluger Kapitän alles, um sein Schiff wetterfest zu machen. In ganz Europa sehen sich die Banken mit einer komplexen Kombination aus zunehmendem regulatorischem Druck und wechselhaftem wirtschaftlichem Gegenwind konfrontiert – freundlichere Marktbedingungen sind nicht in Sicht. Verschärft wird die Lage durch einen Mangel an belastbaren Daten und Analysen zu ihrer eigenen „Seetüchtigkeit“, während dunkle Wolken aufziehen und der Ausblick sich verfinstert. 

Unser proprietäres, vielfach erprobtes Bankensimulationsmodell schließt diese kritische Lücke und ermöglicht es den Banken, unterschiedliche kurz- und mittelfristige Szenarien ganzheitlich zu analysieren, wobei das bankeigene interne Profil sowie die potenziellen Auswirkungen externer Einflüsse berücksichtigt werden. 

Prognosen für europäische Banken: Unser Simulationsmodell für verschiedene Szenarien

Für die jüngste Ausgabe der EBS haben wir mithilfe unseres Modells die jeweiligen KPI der 50 führenden Banken in Europa in vier verschiedenen Situationen simuliert: ein Baseline-Szenario nach dem Motto „alles wie gehabt“; ein optimistisches „Euroboom“-Szenario; ein Szenario, das Konsensprognosen über den Markt abbildet, sowie ein pessimistisches „Eurogloom“-Szenario.

Unsere Ergebnisse dürften in den Vorstandsetagen europäischer Banken Anlass zur Besorgnis geben. Im wahrscheinlichsten Szenario, das auf aktuellen Markterwartungen basiert, wird das anhaltende, branchenweite Problem schwacher bzw. nicht vorhandener Gewinne nicht gelöst. Eine passive Haltung nach der Devise „Abwarten und Tee trinken“ in der Hoffnung, dass sich die Profitabilität schon wieder einstellt, erweist sich dabei als nicht tragfähig. Selbst im rosigen „Euroboom“-Szenario deckt die durchschnittliche Profitabilität der europäischen Banken lediglich die Eigenkapitalkosten. Dies legt nahe, dass selbst im optimistischsten Szenario mehrere große europäische Institute die Erwartungen der Investoren nicht erfüllen werden.  Im „Eurogloom“-Krisenszenario erleben die Banken aufgrund niedrigerer Zinsen und höherer Kreditausfallrückstellungen einen dramatischen Einbruch der Durchschnittsrenditen.

„Hoffen und Harren“ wird nicht alle Banken retten
Alle unsere Szenarien ergeben ein klares Bild und senden eine eindeutige Botschaft. Ein weiteres Abwarten kann keine nachhaltige Strategie sein. Auch „Euroboom“-Marktbedingungen mit höheren Zinssätze – so unwahrscheinlich sie sind – werden nicht dazu führen, dass alle Banken die notwendigen RoE-Zahlen erreichen. Europäische Banken müssen Möglichkeiten finden, ihre Betriebskosten zu senken und gleichzeitig den Umsatz zu steigern. Ansonsten werden sie sich im Jahr 2023 in einer noch schwierigeren Situation befinden als heute. Oder nicht mehr im Markt sein.

CET1 Ratio

Gründliche Detailrecherche, ernüchternde Ergebnisse
Diese Schlussfolgerungen sind nicht aus der Luft gegriffen. Unser Simulationsmodell ist beispielhaft für die Selbstverpflichtung von zeb zu gründlicher Detailrecherche auf Grundlage einer Vielzahl von Quellen. Dadurch können die Auswirkungen verschiedener Faktoren auf das regulatorische Eigenkapital, auf Erträge, Kosten und Bilanzpositionen dargestellt werden.  

Zunächst haben wir die individuellen Datensätze für die Top 50 der europäischen Banken auf Basis von GuV- und Bilanzdaten sowie der Segmentberichte der Geschäftsbereiche zusammengestellt. Anhand dieser Daten wurden die Auswirkungen einer Reihe von internen und externen Faktoren, z. B. regulatorischer Initiativen oder Zinsänderungen, auf die GuV und Eigenkapitalposition jeder Bank simuliert. 

Die Ergebnisse dieses ersten Baseline-Szenarios waren ernüchternd. Für die nächsten fünf Jahre prognostiziert das zeb-Modell, dass die 50 Topbanken in Europa im Durchschnitt eine Halbierung ihrer Eigenkapitalrendite (RoE) erleben werden, falls sie keine weiteren Maßnahmen ergreifen und die Zinssätze, Gewinnmargen sowie Kreditausfallrückstellungen auf dem Niveau vom 31.12.2018 verharren.  

Es liegt auf der Hand, dass die Banken auf sich wandelnde Marktbedingungen reagieren müssen. Unsere drei hypothetischen Zukunftsszenarien liefern die Daten und Analysen für die einzelnen Banken, um dieses zentrale Problem anzugehen. 

„Unsere Simulationen zeigen, dass Banken ihr Geschäfts- und Betriebsmodell substanziell ändern müssen. Nur Kosten einzusparen und auf höhere Zinsen zu hoffen, reicht nicht mehr aus.“

Dr. Dirk Holländer, Partner

Integrierte Simulation aller KPI statt isolierte Berechnungen

Innerhalb der einzelnen Szenarien wurde eine spezifische Postenmodellierung ermöglicht in Bezug auf:

  • Zinsstrukturkurve und Zinsumfeld
  • Sensitivität der Kredit- und Einlagenmargen
  • Refinanzierungsaufschlag
  • Kreditausfallrückstellungen

Um die Auswirkungen von Regulierungsinitiativen, Niedrigzinsen sowie der übrigen Faktoren angemessen zu simulieren, haben wir die Zusammenhänge zwischen GuV, Bilanz und den regulatorischen Kennzahlen berücksichtigt. So konnten wir eine integrierte Simulation der KPI der einzelnen Banken durchführen, anstatt isolierte „Silo“-Berechnungen zu erstellen.

Gleichzeitig wurden Annahmen zu operativen Änderungen durch Kosteneinsparungen, Bilanzanpassungen oder sonstige geplante Maßnahmen bewusst nicht miteinbezogen. Dieser strengere, faktenbasierte Ansatz ermöglichte uns die Berechnung von Szenarien, die als Referenzpunkt für zukünftige Managementmaßnahmen dienen könnten.  

Massive Gewinnlücke

Unser Szenario zeigt, dass die europäischen Banken ihre Profitabilität signifikant erhöhen müssen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten sie ihre Gewinne nach Steuern um 56 Prozent oder kumuliert um 62 Mrd. Euro erhöhen.

Die Geschäfts- und Betriebsmodelle europäischer Banken werden sich ändern müssen

Unser Modell zeigt, dass in allen Szenarien Kosteneinsparungen allein den durchschnittlichen RoE wohl kaum über die 9-Prozent-Schwelle heben werden, die Investoren im Allgemeinen erwarten.

Eine weitere Analyse unterstreicht, dass die erwartete zukünftige Gewinnlücke bei den europäischen Banken nicht allein durch Kostensenkungen geschlossen werden kann.  Im Szenario „Markterwartungen“ müssten die gesamten Aufwendungen im Durchschnitt um mehr als 15 Prozent sinken, um einen RoE in Höhe der Eigenkapitalkosten zu erzielen.

Deshalb müssen Banken auch die Erträge ins Visier nehmen, um dieses Ziel zu erreichen.