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zeb.Finanzmarkt Round Table mit Prof. Lars P. Feld

zeb.Finanzmarkt Round Table mit Prof. Dr. Dr. h. c. Lars P. Feld, Direktor des Walter Euken Instituts und Berater von Bundesfinanzminister Lindner: „Neue geopolitische Herausforderungen – Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft“

Eine weitere Veranstaltung in der Reihe zeb.Finanzmarkt Round Table fand im „Steigenberger Hotel Frankfurter Hof“ statt. Ehrengast und Redner war Professor Lars P. Feld, der zu den profiliertesten Ökonomen in Deutschland zählt und als Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg und Leiter des dortigen Walter Euken Instituts ordoliberale Positionen vertritt. Über 10 Jahre war Professor Feld Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage. Zuletzt stand er als Vorsitzender an dessen Spitze. Seit Beginn des Jahres hat ihn Bundesfinanzminister Christian Lindner als „Persönlichen Beauftragten“ in sein engstes Beraterumfeld geholt. Der Freiburger Wirtschaftsprofessor rechnet mit einer Stagflation. „Die Wachstumsaussichten in Deutschland und Europa, in den USA und in China haben sich stark eingetrübt“, so Feld. „Die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland stagniert jetzt schon. Die Inflation ist bereits ziemlich hoch und wird mit einer restriktiveren Geldpolitik bekämpft werden müssen“, gibt er zu bedenken. Mit Blick auf die Inflation erwartet Feld keine rasche Entspannung. Der Energiepreisanstieg infolge des Krieges in der Ukraine habe die Situation nur verschärft, nicht aber ausgelöst. „Die Lieferkettenproblematik war schon vor dem Krieg groß, und ich habe schon früher regelmäßig gesagt: Das wird weitergehen. Wer China beobachtet hat – zuletzt mit Lockdowns für Millionenstädte wie Shanghai und Shenzen –, musste das erwarten“, so der Ökonom. Können die Zinsen überhaupt deutlich steigen? Beim Round Table widerspricht Feld der vorherrschenden Meinung, die Notenbanken hätten gar keine Spielräume, die Inflation zu bekämpfen. „Der Spielraum ist gar nicht so eng, wie man meinen sollte“, sagt er. Man höre in dieser Diskussion immer das Argument: Wenn die Zinsen nach oben gehen, hat Italien ein großes Problem. So einfach sei es indes nicht. „Italien hat sich während der Niedrigzinsphase langfristig zu günstigen Konditionen finanziert. Selbst wenn der Zins in Italien um einen Prozentpunkt steigt, sinken die Zinsausgaben des Staates in Prozent des BIP immer noch, weil die Refinanzierung der alten Anleihen immer noch günstiger wäre“, rechnet er vor. Erst wenn man die Zinsen um zwei oder drei Prozentpunkte anhebe, merke der italienische Staat das überhaupt, und auch das nur allmählich. Mit Blick auf die wirtschaftliche und finanzielle Situation Deutschlands mahnt Feld zu mehr Gelassenheit. In der Debatte um Armutsrisiko

und Abstiegsgefahr gehe die Schere zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und der tatsächlichen Situation immer weiter auseinander, sagte Feld. Deutschland sei nach wie vor in einer guten wirtschaftlichen Verfassung. Auch die Flüchtlingskrise stelle keine existenzielle Gefahr für Wirtschaft oder öffentliche Haushalte dar. Dennoch gebe es in weiten Teilen der Bevölkerung Befürchtungen, die seit Jahren zunähmen. Energie bleibt teuer: Deutschland – und damit indirekt auch Österreich – leide in Westeuropa am stärksten unter der aktuellen Problematik. „Das hat vor allem damit zu tun, dass die industrielle Struktur bei uns intakt ist“, erläutert Feld. „Während in Großbritannien oder den USA der Anteil der Wirtschaftsleistung viel stärker vom Dienstleistungs- beziehungsweise Finanzsektor abhängt, ist bei uns die Industrie dominant. Damit sind Deutschland und Staaten, mit denen wir viel Handel treiben – das sind neben Österreich auch andere Länder der Eurozone wie etwa die Niederlande, aber zum Teil auch die Schweiz –, am stärksten betroffen.“ Die Energiepreise werden nicht mehr auf das alte Niveau fallen, erwartet Feld. „Denn mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine und den Sanktionen ist klar, dass man Russland aus der internationalen Arbeitsteilung ausgrenzen wird“, sagt er. Daher müsse man die Energie von anderswo importieren und dieses sei teurer. Im Ergebnis führe das zu einem geringeren Wirtschaftswachstum und damit zu einem Wohlstandsverlust.

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