Große Veränderungen im Kreditgeschäft lassen sich nicht mit Einzelmaßnahmen bewältigen. Die Wiesbadener Volksbank hat sich deshalb bewusst für einen ganzheitlichen Ansatz entschieden. Über einen Zeitraum von rund zwei Jahren verfolgte das Projekt das Ziel, das Kreditgeschäft strukturell neu aufzustellen – mit klaren Standards, eindeutigen Verantwortlichkeiten und Prozessen, die im Alltag funktionieren. Begleitet wurde die Bank dabei von zeb über alle Phasen hinweg: von der Gap-Analyse über die Konzeption bis zur Umsetzung in Prozessen, Arbeitsanweisungen und der Qualifizierung.
Im Mittelpunkt des Projekts stand kein abstraktes Zielbild, sondern die konkrete Frage, wie das Kreditgeschäft heute organisiert sein muss, damit es verlässlich, effizient und kundenorientiert betrieben werden kann – für Markt, Marktfolge und Steuerung gleichermaßen.
Analyse und Strukturierung der Handlungsfelder
Zu Beginn identifizierte zeb gemeinsam mit der Bank die zentralen regulatorischen und organisatorischen Handlungsfelder im Kreditgeschäft. Betrachtet wurden nicht nur einzelne Prozesse oder Dokumente, sondern auch das Zusammenspiel aus Aufbauorganisation, Aufgabenverteilung, Standards und gelebter Praxis. Die identifizierten Themen wurden systematisch strukturiert und in insgesamt 21 Module überführt – von Kreditvergabestandards über KDF-Berechnung und Intensivbetreuung bis hin zu Sicherheiten, Bearbeitungszeiten und Governance‑Fragen.
Für jedes Modul wurde festgelegt, welche Inhalte zu bearbeiten sind und wie die Zusammenarbeit zwischen Bank und Berater:innen sinnvoll ausgestaltet wird. Abhängig vom Thema reichte die Arbeitsteilung von einer starken Federführung der Bank bis hin zu einer intensiven methodischen und inhaltlichen Begleitung durch zeb. Dieses flexible Modell stellte sicher, dass bankinternes Know-how konsequent genutzt wurde, und gewährleistete zugleich Struktur, Konsistenz und Qualität über alle Module hinweg.
Christian Klaus, Projektleiter und Partner bei zeb, fasst den Ansatz so zusammen: „Wir arbeiten nicht nur an Konzepten, sondern gehen bewusst in den Maschinenraum – in Prozesse, Arbeitsanweisungen und Abläufe. Entscheidend ist, dass alles zusammenspielt und dauerhaft tragfähig ist.“
Vom Konzept zur operativen Umsetzung
Auf die Analyse folgte konsequent die Umsetzung. Für alle relevanten Themen wurden Konzepte erarbeitet, in Arbeitsanweisungen und Leitfäden überführt und technisch abgebildet. Wo möglich, kamen agree21‑Standardprozesse zum Einsatz. Wo diese nicht ausreichten, wurden gemeinsam mit der Bank passgenaue Ergänzungen entwickelt. Ein Beispiel ist ein gemeinsam entwickeltes Tool zur strukturierten Berechnung der Kapitaldienstfähigkeit, das Kreditberater:innen dabei unterstützt, Bewertungen einfach, standardisiert und nachvollziehbar vorzunehmen.
Parallel dazu wurden Prozesse überprüft, Rollen geschärft und Schnittstellen zwischen Markt und Marktfolge klar definiert. Ziel war es, Reibungsverluste zu reduzieren, Transparenz zu erhöhen und Verantwortlichkeiten eindeutig zu verankern. Die Verantwortung für Reviews und das übergreifende Reporting lag dabei bei zeb. So war jederzeit transparent nachvollziehbar, wie weit einzelne Module fortgeschritten waren und wo gegebenenfalls nachgesteuert werden musste.
Befähigung, Integration und nachhaltige Verankerung
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war zudem die konsequente Befähigung der Mitarbeitenden. Neue Regelungen blieben nicht auf dem Papier, sondern wurden durch Schulungen, Workshops und begleitende Sprechstunden in die Organisation getragen. Dadurch stellte das Projektteam neben dem Verständnis der Inhalte auch ihre nachhaltige Anwendung sicher.
Eng verzahnt war das Projekt mit weiteren Initiativen der Wiesbadener Volksbank, insbesondere mit der parallelen Neuausrichtung des Vertriebs. Diese Abstimmung gewährleistete, dass Veränderungen im Kreditgeschäft konsistent zum Gesamtzielbild der Bank passten und keine isolierten Lösungen entstanden.
„Für uns war es entscheidend, die Kreditprozesse ganzheitlich zu betrachten. Durch die gezielte Standardisierung und Digitalisierung sowie eine spezialisierte Aufstellung unserer Marktbereiche haben wir die Weichen für die Zukunft gestellt. So erfüllen wir nicht nur nachhaltig regulatorische Anforderungen, sondern stellen auch die individuellen Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt“, sagt Patrick Fengler, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung der Wiesbadener Volksbank eG. „Die enge Zusammenarbeit mit zeb hat uns geholfen, komplexe Anforderungen strukturiert zu bearbeiten und effiziente, zukunftsfähige Lösungen erfolgreich umzusetzen.“
Mit der strukturierten Neugestaltung ihres Kreditgeschäfts hat die Wiesbadener Volksbank wichtige Grundlagen für die Zukunft gelegt: klare Standards, transparente Prozesse und eine Organisation, die Veränderungen aktiv umsetzen kann. Der Beitrag zeigt, wie sich regulatorische Anforderungen, Effizienz und Kundennähe miteinander verbinden lassen – wenn Analyse, Umsetzung und Befähigung konsequent aufeinander abgestimmt werden.