Eine Nahaufnahme einer Leiterplatte
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IT-Transformation bei Versicherern
# 5

Scoping

Management Summary   

Erfolgreiche Transformationen scheitern selten an der Technologie, sondern an fehlender Klarheit über Ziele und Umfang. Die Scoping-Phase ist entscheidend, um Transparenz zu schaffen, Projektziele eindeutig abzugrenzen und Planungssicherheit zu gewährleisten. Ein strukturiertes Scoping im Vorfeld der Umsetzung reduziert Risiken, vermeidet spätere Anpassungen und sichert Kosten- und Zeitrahmen. Klare Leitplanken, eine frühzeitige Anforderungsermittlung und eine belastbare Grobspezifikation bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung komplexer Großprojekte.

Darüber hinaus schafft ein präzises Scoping Vertrauen zwischen allen Beteiligten und ermöglicht eine konsistente Entscheidungsfindung über die gesamte Projektlaufzeit. Es stellt sicher, dass sowohl Auftraggeber als auch Hersteller eine gemeinsame Basis haben, um effizient zusammenzuarbeiten und die definierten Ziele ohne unerwartete Abweichungen zu erreichen. Die investierte Zeit zahlt sich mehrfach aus – durch geringere Projektrisiken, höhere Kostensicherheit und eine stabile Grundlage für langfristige Architekturentscheidungen.

Kapitel 1

Ausgangslage

Wo stehen die Versicherer?

Erfolgreiche Transformationen scheitern selten an der Technologie – entscheidend ist vielmehr ein klares Verständnis für die angestrebten Ziele. Die Scoping-Phase übernimmt dabei eine Schlüsselrolle: Sie schafft Transparenz für alle Beteiligten und stellt sicher, dass Ziele und organisatorische Rahmenbedingungen von Beginn an präzise aufeinander abgestimmt sind. Gerade in komplexen IT-Umgebungen zahlt sich eine sorgfältige Vorbereitung aus. 

Es lohnt sich also, dieser Phase ausreichend Zeit einzuräumen, um von Beginn an eine belastbare Basis für das gesamte Projekt zu schaffen.

Kapitel 2

Herausforderungen

Scoping klar definieren

Nach unseren Erfahrungen stehen Projekte (ebenso wie einzelne Projektphasen) häufig vor wiederkehrenden Herausforderungen. Zumeist lassen sich diese auf ein unzureichend definiertes Scoping zurückführen. So sind die Projektziele oftmals nicht klar abgegrenzt, da verschiedene Stakeholder aus Business, IT und Management unterschiedliche Prioritäten verfolgen. Hinzu kommt, dass kurzfristige Anforderungen regelmäßig Vorrang vor langfristigen Architekturzielen haben, wodurch die Planung erschwert und späterer Anpassungsbedarf notwendig wird.

Auch die Einschätzung von Ressourcen und Zeitrahmen gestaltet sich häufig schwierig. Unter- oder Überschätzungen führen zu Change Requests, Verzögerungen oder im schlimmsten Fall zu höheren Kosten.

Besonders anspruchsvoll ist die Informationsasymmetrie zwischen Versicherern und Herstellern. Häufig ist nicht zu 100 % klar, welche Leistungen im Standard eines Herstellers enthalten sind und welche Anforderungen darüber hinaus durch gezieltes Customizing ergänzt werden müssen. Parallel dazu gestaltet sich die Definition neuer Prozesse schwierig, da sie eine strukturierte, bewusst gesteuerte Moderation und eine präzise Anforderungsbeschreibung erfordert. 

Diese Unklarheiten über Umfang und erwartete Ergebnisse zeigen sich meist erst während der Umsetzung und führen regelmäßig zu Verzögerungen und zusätzlichem Abstimmungsaufwand.

Kapitel 3

Lösungen

Leitplanken setzen

Ein umfassendes Scoping ist ein wesentlicher Baustein für den Erfolg komplexer Großprojekte – insbesondere vor dem Hintergrund langer Laufzeiten. 

Scoping schafft Transparenz darüber, was im Gesamtvorhaben umgesetzt werden soll und was bewusst nicht Teil des Projekts ist. 

Erst durch diese klare Abgrenzung lässt sich Kostenstabilität für das Gesamtvorhaben realistisch anvisieren. Erfahrungen aus zahlreichen zeb-Projekten zeigen, dass es sinnvoll ist, bereits vor Beginn der Umsetzung i. d. R. sechs bis neun Monate gemeinsam mit dem Hersteller in die verbindliche Definition des Projektumfangs zu investieren. Dieser Aufwand zahlt sich mehrfach aus: Ein präzise dokumentierter und von allen Beteiligten verstandener Scope reduziert Projektrisiken, vermeidet unangenehme Überraschungen während der Umsetzung und schützt zuverlässig vor Abweichungen von geplanten Kosten- und Zeitvorgaben.

Gleichzeitig sorgt ein klar definierter Projektumfang für beidseitige Planungssicherheit: Das Versicherungsunternehmen weiß genau, welche Ergebnisse es erhält, während der Hersteller seinen Lieferumfang eindeutig kennt. Auf dieser Basis entsteht eine stabile Grundlage für die weitere Projektarbeit.

Ein weiterer Bestandteil des Scopings ist die Definition klarer Leitplanken, die von beiden Parteien – Auftraggeber und Hersteller – gemeinsam vereinbart und während der gesamten Projektdauer eingehalten werden. Sie stellen sicher, dass Entscheidungen konsistent getroffen werden und das Projekt nicht unkontrolliert wächst oder von definierten Zielen abweicht.

Beispiele für solche Leitplanken: 

  • „Standard führt“: Entscheidungen orientieren sich primär am bestehenden Herstellerstandard.
  • Prozessorientierung: Die fachliche und technische Ausgestaltung richtet sich konsequent an den zugrunde liegenden End-to-End-Prozessen aus – nicht an isolierten Einzelanforderungen.
  • Automatisierung vorantreiben: Jede Möglichkeit zur Dunkelverarbeitung bzw. Automatisierung wird geprüft und genutzt, um Effizienzpotenziale vollständig auszuschöpfen.

Wie diese Leitplanken in der Praxis wirken, zeigt das Prinzip „Standard führt“: Wurde dieses Prinzip gemeinsam beschlossen, müssen sämtliche Anforderungen zunächst mit Blick auf den Standard bewertet werden. Abweichungen werden nur dann berücksichtigt, wenn sie fachlich zwingend notwendig und begründbar sind. Eine fundierte Datenanalyse bildet hierfür die Basis: Sie zeigt, wie bestehende Prozesse und Anforderungen zum Standard passen und wo tatsächlicher Anpassungsbedarf besteht.

Die Anforderungsermittlung spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Damit sie gelingt, sollte sich der Versicherer frühzeitig und gut auf das Scoping vorbereiten. Dazu gehört zum Beispiel, vorhandene Anforderungskataloge zu nutzen, unverhandelbare Funktionen eindeutig zu markieren und klar festzuhalten, an welchen Stellen man bereit ist, dem Herstellerstandard zu folgen. Ebenso wichtig ist ein solides Verständnis des Funktionsumfangs des Herstellers, idealerweise durch einen Testzugang oder regelmäßige Produktdemos. So lässt sich frühzeitig einschätzen, welche Anforderungen realisierbar sind und wo Anpassungen notwendig werden könnten. Darüber hinaus sollten Fachanwender:innen frühzeitig eingebunden werden. Ihre Praxissicht und fachliche Expertise sind entscheidend, um Anforderungen realistisch und vollständig zu definieren.

Eine klare Abgrenzung gehört ebenfalls dazu: Welche Anforderungen werden umgesetzt, welche explizit nicht? Erst auf dieser Basis lässt sich das Delta zwischen Herstellerstandard und Kundenanforderungen verlässlich bestimmen, inklusive einer realistischen Einschätzung von Kosten und Aufwand. Parallel dazu erfolgt der Abgleich mit der bestehenden IT-Infrastruktur, den benötigten Schnittstellen und weiteren technischen Rahmenbedingungen.

Das Ergebnis dieses Vorgehens ist eine belastbare Grobspezifikation. Sie umfasst unter anderem den Customizing-Bedarf, relevante Integrationsbeziehungen und Schnittstellen, notwendige Prozessanpassungen sowie eventuelle Änderungen an Umsystemen im Verantwortungsbereich des Versicherers. Zugleich dokumentiert sie alle wesentlichen Artefakte und Arbeitspakete so, dass deren Inhalte über die gesamte Projektlaufzeit hinweg eindeutig und nachvollziehbar bleiben.

Aus der Grobspezifikation entsteht sowohl der initiale Arbeitsvorrat als auch das Projekt-Backlog, das während der gesamten Projektlaufzeit priorisiert und kontinuierlich ausgestaltet wird. Durch die frühzeitige Sortierung der Backlog-Items lassen sich einzelne Projektstufen oder Releases besser planen und einschätzen. So entsteht von Beginn an eine verlässliche Grundlage für Aufwandsschätzungen, Ressourcenplanung und Zeitplanung. Zur Organisation und Dokumentation haben sich Werkzeuge wie z. B. Jira für die Planung und Confluence für die Dokumentation etabliert – Standardtools, die Transparenz schaffen und die Zusammenarbeit effizient unterstützen.

Kapitel 4

Fazit und Ausblick

Fazit

Ein sorgfältiges Scoping und eine präzise Beschreibung der Lieferobjekte bilden die wesentliche Grundlage für jedes erfolgreiche Projekt. Aus unserer Erfahrung lohnt es sich, für diesen Schritt ausreichend Zeit einzuplanen – denn die investierte Zeit zahlt sich im weiteren Projektverlauf mehrfach aus. Verzögerungen entstehen in der Regel weniger durch die mangelnde Qualität in der Umsetzung, sondern vielmehr dadurch, dass der Projektumfang während der Laufzeit immer wieder verändert wird.

 

Ausblick

Nach Festlegung der umzusetzenden Anforderungen und der Definition des Backlogs kann das Umsetzungsprojekt starten. Im nächsten Artikel der Serie betrachten wir die Relevanz des Testmanagements für das Projekt. Welche Bedeutung hat die Teststrategie? Wie wird das Testmanagement in den Prozess eingebunden? Welche Teststufen sollten berücksichtigt werden?

Alle Artikel auf einen Blick

Im Rahmen dieser Artikelserie veröffentlichen wir Beiträge rund um das Thema IT-Transformation.  

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