Eine Gruppe von Würfeln mit unterschiedlichen Farben
Eine Gruppe von Würfeln mit unterschiedlichen Farben

IT-Transformation bei Versicherern
# 2

Modernisierungsszenarien

Management Summary   

Die Modernisierung der IT-Systemlandschaft ist für Versicherungsunternehmen ein zentrales Thema, wenn sie wachsenden Anforderungen des Marktes, regulatorischen Vorgaben und dem technologischen Wandel gerecht werden wollen. Unterschiedliche Modernisierungsszenarien bieten verschiedene Wege, die IT zukunftsfähig aufzustellen. 

Während externe Lösungen wie Cloud- und Standardsoftware häufig Vorteile hinsichtlich Innovationsfähigkeit und Effizienz bieten, ist die Auswahl des passenden Ansatzes stets individuell und unternehmensspezifisch zu treffen. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Szenarien, Herausforderungen und einen praxiserprobten Lösungsansatz für die Auswahl und Umsetzung von Modernisierungsmaßnahmen.

Gewachsene Systemlandschaften

Die Entwicklung einer konsistenten Erneuerungsstrategie bildet die Grundlage für jede erfolgreiche IT-Transformation. Nach der strategischen Weichenstellung gilt es, diese Strategie in konkrete Maßnahmen zu überführen. Für alle Systeme mit Modernisierungsbedarf sollte ein klarer Plan zur Ablösung oder Weiterentwicklung erstellt werden. 

Dabei zeigt sich in der Praxis, dass nicht jedes System nach dem gleichen Muster modernisiert werden muss. 

Vielmehr ist die individuelle Betrachtung jedes Transformationsobjekts entscheidend für den Erfolg. Die Vielfalt der Ausgangslagen – von historisch gewachsenen Systemlandschaften bis hin zu aktuellen regulatorischen Anforderungen – erfordert maßgeschneiderte Lösungen.

Geeignete Ansätze

Die größte Herausforderung bei der Ableitung von Modernisierungsszenarien besteht in der passgenauen Auswahl für den jeweiligen Anwendungsfall. Es gibt heutzutage eine breite Palette an Optionen, die weit über die Einführung von Standardsoftware hinausgehen. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, in diesem Spektrum die für sie geeigneten Ansätze zu identifizieren und zu bewerten. Zu den typischen Herausforderungen zählen:

  • Unterschiedliche Ausgangslagen und Systemarchitekturen
  • Heterogene Anforderungen aus den Fachbereichen und der IT
  • Notwendigkeit, regulatorische und sicherheitsrelevante Vorgaben einzuhalten
  • Begrenzte interne Ressourcen und fehlendes Know-how
  • Unsicherheit bezüglich zukünftiger technologischer Entwicklungen

Die Vielzahl an Optionen und Einflussfaktoren macht eine strukturierte und methodische Herangehensweise unerlässlich.

„Die individuelle Betrachtung jedes Transformationsobjekts ist entscheidend für den Erfolg. Die Vielfalt der Ausgangslagen – von historisch gewachsenen Systemlandschaften bis hin zu aktuellen regulatorischen Anforderungen – erfordert maßgeschneiderte Lösungen.“

Dr. Jan Hendrik Sohl, Partner

Diverse Optionen

Die möglichen Modernisierungsszenarien lassen sich in drei übergeordnete Kategorien einteilen, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte und Implikationen haben.

1. Fokus auf bestehende Lösung

Hier steht die Weiterentwicklung oder technische Stabilisierung des bestehenden Systems im Vordergrund. Ziel ist es, die betriebliche Kontinuität zu sichern und die im System gebundene Wertschöpfung zu erhalten. Typische Ausprägungen sind:

  • Weiterbetrieb („Keep the lights on“)
  • Migration in eine neue Infrastruktur („Lift & Shift“)
  • Technische Überarbeitung oder Refactoring

Diese Ansätze bieten sich vor allem an, wenn das System spezifische Anforderungen erfüllt, die nicht ohne Weiteres durch Standardlösungen abgedeckt werden können, oder wenn eine hohe Abhängigkeit von bestehenden Prozessen besteht.

2. Fokus auf neue Lösung (intern)

In diesem Szenario wird eine maßgeschneiderte Lösung innerhalb des Unternehmens entwickelt. Konzeption, Entwicklung und Betrieb werden vollständig intern verantwortet. Vorteile sind eine hohe Flexibilität und die Möglichkeit, individuelle Anforderungen optimal umzusetzen. Gleichzeitig sind diese Ansätze oft mit höheren Aufwänden und Risiken verbunden, insbesondere hinsichtlich Ressourcenbedarf und langfristiger Wartbarkeit.

3. Fokus auf neue Lösung (extern)

Hier erfolgt die Modernisierung durch die Einbindung externer Partner und die Nutzung von Standardlösungen. Die Bandbreite reicht von vollständig standardisierten Ansätzen bis hin zu hybriden Modellen, bei denen Standardsoftware gezielt erweitert oder angepasst wird. Externe Lösungen bieten häufig Vorteile in Bezug auf Skalierbarkeit, Innovationsgeschwindigkeit und Kostenkontrolle. Allerdings erfordern sie eine sorgfältige Auswahl und Anpassung an die spezifischen Unternehmensanforderungen.

 

Auswahl und Bewertung

Ein bewährter Ansatz zur Auswahl und Bewertung von Modernisierungsszenarien ist ein stufenweises, strukturiertes Vorgehen. Dieses lässt sich in mehrere Phasen unterteilen:

Eingrenzung des Lösungsraums

Zu Beginn werden auf Basis der strategischen Leitplanken (z. B. IT- oder Cloud-Strategie) drei bis fünf relevante Optionen identifiziert. Diese Vorauswahl erfolgt unter Berücksichtigung der Unternehmensziele, der bestehenden Systemlandschaft und der wichtigsten Anforderungen aus den Fachbereichen und der IT.

Grobe Bewertung der Optionen

Die identifizierten Szenarien werden detailliert anhand zentraler Dimensionen bewertet, um ihre grundsätzliche Eignung einzuschätzen. In den Bewertungskriterien sollten neben den Kosten für Run und Change u.a. auch Fragestellungen hinsichtlich des Bedarfs an notwendigem internen Know-how, der Integrierbarkeit in die bestehende Systemlandschaft oder auch der Zukunftsorientierung und des Innovationspotenzials einbezogen werden.

Diese anfängliche Bewertung dient dazu, die Stärken und Schwächen der Ansätze sichtbar zu machen und erste Optionen auszuschließen.

Detaillierte Analyse der verbleibenden Optionen

Die verbleibenden Szenarien werden im nächsten Schritt detaillierter analysiert. Ziel ist es, eine fundierte und nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Dabei gilt es u.a., die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Welche Funktionen werden heute abgedeckt? Welche Anforderungen ergeben sich daraus für die Zukunft?
  • Welche Schnittstellen zu und Abhängigkeiten von Umsystemen bestehen? Welche Anpassungen sind erforderlich?
  • Welche Aufwände sind mit den einzelnen Szenarien verbunden? Wie lassen sich diese quantifizieren und vergleichen?

In dieser Phase empfiehlt es sich, die Analyse auf entscheidungsrelevante Aspekte zu fokussieren und dabei frühzeitig die notwendige Detailtiefe festzulegen, die eine belastbare Entscheidungsgrundlage schafft.

Einbindung relevanter Stakeholder

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die frühzeitige und kontinuierliche Einbindung von Fachbereichen und der IT. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle relevanten Anforderungen und Rahmenbedingungen berücksichtigt werden und die Akzeptanz der gewählten Lösung hoch ist.

Dokumentation und Nachvollziehbarkeit

Die Ergebnisse der Analyse sollten transparent dokumentiert werden, damit sie als Grundlage für die weitere Umsetzung dienen können und die Entscheidungsfindung nachvollzogen werden kann. Dazu gehören insbesondere die getroffenen Annahmen, die Bewertungskriterien und die wichtigsten Erkenntnisse aus der Analyse.

Fazit

Die Modernisierung der IT-Systemlandschaft ist eine komplexe, aber unverzichtbare Aufgabe für Versicherungsunternehmen. Eine strukturierte Analyse und Bewertung der verschiedenen Modernisierungsszenarien sind unerlässlich, um die beste Option für jedes System zu identifizieren. Externe Lösungen werden im Markt häufig bevorzugt, dennoch ist die individuelle Ausgangssituation entscheidend. Die Auswahl sollte stets an den Unternehmenszielen ausgerichtet und flexibel genug sein, um auf zukünftige Entwicklungen reagieren zu können.

Ausblick

Wir haben in diesem Artikel dargelegt, welche Optionen für die Modernisierung der Anwendungslandschaft betrachtet und analysiert werden sollten. Im nächsten Beitrag beleuchten wir, wie im Falle einer Entscheidung für eine Standardsoftware ein Auswahlverfahren erfolgen sollte, um Transparenz, Vergleichbarkeit und Entscheidungssicherheit zu gewährleisten. Wie kann bereits während der Auswahl sichergestellt werden, dass die am Ende gewählte Lösung zum Unternehmen passt und langfristig tragfähig ist? Welche Ergebnistypen gilt es als Grundlage für die Folgeschritte zu erarbeiten?

 

Alle Artikel auf einen Blick

Im Rahmen dieser Artikelserie veröffentlichen wir Beiträge rund um das Thema IT-Transformation.  

Sprechen Sie uns an

Ein Mann in Anzug und Krawatte

Dr. Michael Kötting

Partner

Profilfoto_Sohl_Jan

Dr. Jan Hendrik Sohl

Partner

Profilfoto_Bunselmeyer_Frank.jpg

Frank Bunselmeyer

Senior Manager