Identifizierung der Handlungsbedarfe
Auf dem Weg hin zu einer Erneuerungsstrategie gilt es zunächst, entlang eines strukturierten Vorgehens die Handlungsbedarfe innerhalb der Systemlandschaft zu identifizieren und zu priorisieren. Hierfür muss jedes Unternehmen die für sich passenden Bewertungsdimensionen definieren und Kriterien zur Einwertung jedes Systems in diese festlegen.
Hierzu hat sich in der Praxis bewährt, die strategischen Leitplanken der Geschäfts- und der IT-Strategie in Vorbereitung eine Ebene tiefer zu legen und notwendige strategische Kernfähigkeiten abzuleiten.
Werden in der Strategie beispielsweise schlanke, kundenfreundliche Prozesse als Ziel genannt, betrifft dies in der Regel sowohl die Vertriebssysteme als auch Vertrag, Schaden/Leistung bis hin zu In-/Exkasso und Provision. Eine Detaillierung des Verständnisses – z. B. „80 % aller Anträge sollen dunkel innerhalb von fünf Sekunden verarbeitet werden“ – ermöglicht eine objektiv nachvollziehbare Bewertung der Ist-Systeme.
Neben den so definierten notwendigen Kernfähigkeiten werden in der Bewertung nach unserer Projekterfahrung häufig die folgenden zwei Dimensionen mit betrachtet bzw. dienen diese als Verdichtung:
Strategische Relevanz
Die Geschäfts- und die IT-Strategie des Unternehmens dienen als Leitplanke für die Frage, welche Business-Domain bzw. Sparte zuerst adressiert werden sollte. Durch die Einwertung der strategischen Relevanz lassen sich die Systeme identifizieren, die den größten Beitrag zur Erreichung der strategischen Ziele leisten. Systeme mit hoher strategischer Relevanz unterstützen zentrale Wertschöpfungsprozesse, differenzieren im Wettbewerb oder ermöglichen neue Geschäftsmodelle. Im Gegensatz dazu leisten Systeme mit geringer strategischer Relevanz nur einen begrenzten Beitrag zur operativen oder marktorientierten Weiterentwicklung.
Technische Qualität
Neben der strategischen Relevanz spielt die technische Qualität der Systeme eine zentrale Rolle für die Erneuerungsstrategie. Systeme, die aufgrund ihrer technologischen Basis z.B. ein erhöhtes demografisches Risiko bergen, stellen potenzielle Schwachstellen dar.
Auf Basis dieser beiden Dimensionen lassen sich die Systeme der Systemlandschaft initial einordnen sowie Handlungsbedarfe und Prioritäten für die Erneuerungsstrategie ableiten. Daraus können sich die folgenden Bedarfe ergeben:
- Gezielte Modernisierung von strategischen (Kern-)Systemen mit technischem Modernisierungsbedarf
- Stärken zukunftsfähiger Schlüsselsysteme sichern und gezielt ausbauen
- Konsolidierung von strategisch peripheren Systemen
- Ablösung, Stilllegung oder Entwicklung einer Re-Use-Strategie für nicht strategische und technologisch veraltete Systeme