Nach Jahren historisch niedriger Zinsen kam die Zinswende schnell und für alle überraschend stark ausgeprägt: Ein rascher Anstieg, eine anhaltende Phase inverser Zinsstrukturen, anschließend wieder fallende Zinsen. Seither bewegen sich die Zinsen in beide Richtungen erratisch – eine verlässliche Prognose ist nicht möglich. Für Kreditinstitute ist das keine rein akademische Feststellung: Ein erheblicher Teil des wirtschaftlichen Ergebnisses hängt davon ab, wie bewusst und konsistent ein Institut sein strategisches Zinsänderungsrisiko im Zinsbuch steuert. Die Stadtsparkasse München hat vor diesem Hintergrund ihre Zinsbuchstrategie neu bewertet und die Leitplanken der Steuerung grundlegend überarbeitet.
360-Grad-Sicht auf Vertrieb und Steuerung
Im Sinne einer 360-Grad-Betrachtung müssen Vertrieb und Steuerung „Hand in Hand“ gedacht werden – und die Zinsbuch-Strategie sollte die Wechselwirkungen und kompensierenden Effekte der Erfolgsquellen auf der Aktiv- und der Passivseite berücksichtigen.
Ziel ist es ausdrücklich nicht, sich nur an einem bestimmten oder an ausgewählten Zinsszenarien zu orientieren. Gesucht wird vielmehr eine Strategie, die auch dann die Tragfähigkeit der Sparkasse sichert, wenn es zu Überraschungen kommt. Also wenn die Zinsen in eine unerwartete Richtung steuern und die Ergebnisse aus der sorgfältigen Planung der Komponenten des Zinsergebnisses durcheinandergeraten. Mit anderen Worten: Das Zinsbuch der Stadtsparkasse München soll starke Schwankungen am Zinsmarkt aushalten und trotzdem Handlungsspielräume bieten – die einen „Hedge des Geschäftsmodells“ sicherstellen.
zeb begleitet dieses Projekt als der Experte für Zinsbuchsteuerung in der Sparkassen-Finanzgruppe. Über viele Jahre haben wir zentrale Konzepte und den Steuerungsrahmen weiterentwickelt, die heute in der Gruppe als Standard gelten – darunter Modellierungsansätze für das variable Kundengeschäft, die integrierte Barwert- und GuV-Steuerung sowie deren technische Umsetzung in den Systemen. Für die Stadtsparkasse München bedeutet dies: Keine Beratung von der Stange, sondern fundierte Expertise, die unmittelbar an die institutsspezifische Ausgangslage anknüpft – ergänzt durch ein tiefes Verständnis regulatorischer Anforderungen sowie auch Benchmarks zu Kennzahlen und die Vorgehensmodelle vergleichbarer Häuser einbezieht.
Am Anfang steht eine strukturierte Standortbestimmung: Welche Logik liegt der Zinsbuchsteuerung zugrunde? Welche Modellannahmen, insbesondere für das variable Einlagenportfolio, sind passgenau? Wie lassen sich widersprüchliche Steuerungsimpulse auflösen, z.B. zwischen periodischer und barwertiger Perspektive? In moderierten Workshops und bilateralen Arbeitssitzungen analysieren wir gemeinsam mit Treasury, Risikocontrolling und Gesamtbanksteuerung die Strategie und die Steuerungsanforderungen. Dieser übergreifende Einbezug der Sichten aller relevanten Bereiche ist kein „nice-to-have“ – er ist der zentrale Erfolgsfaktor – für die spätere Akzeptanz und Umsetzbarkeit der neuen Strategie.
Magisches Dreieck der Zinsbuch-Strategie
Das zeb-Modell zur Strategieausrichtung im Zinsbuch strukturiert die relevanten Ergebnisquellen in drei Dimensionen: Der Konditionsbeitrag erfasst die Zinserträge aus dem Kundengeschäft – die Differenz zwischen den vereinbarten Kundenzinsen und einer fristenkongruenten Marktreferenz. Die Eigenkapitalverzinsung bildet die Zinserträge aus der Anlage des Eigenkapitals ab. Die Ergebnisbeiträge aus der Fristentransformation vervollständigen das Bild und resultieren aus dem bewusst eingegangenen Zinsänderungsrisiko im Zinsbuch: Ein Institut, das kurzfristige Einlagen in langfristige Kredite transformiert, verdient an der Zinsstruktur – und trägt gleichzeitig das Risiko unerwarteter Zinsverschiebungen. Diese drei Dimensionen reagieren auf Änderungen von Zinsniveau und Zinsstruktur unterschiedlich. Je nach (bilanz-) strukturellen Anteilen der fest bzw. variabel verzinslichen Kundengeschäfte einerseits und dem Umfang von Kredit- und Einlagengeschäft andererseits fällt ein „gesundes“, das Geschäftsmodell stabilisierendes Maß an Fristentransformation, unterschiedlich aus. Diese Stellschrauben einzubeziehen und insbesondere die Kompensationswirkungen der Erfolgsquellen zu kennen und in die strategische Planung zu integrieren, ist zentral für die Qualität der Steuerung.
Das Spannungsfeld liegt in den Unterschieden zwischen der barwertigen und der periodischen Betrachtung. Warum? Weil ein Institut mit einem (zu) geringen barwertigen Zinsänderungsrisiko und einer zu kurzen Anlagestrategie zwar bei schnell steigenden Zinsen oder einer inversen Zinsstruktur ein hohes Zinsergebnis erreichen kann, bei schnell fallenden Zinsen dann aber auch sehr geringe Ergebnisse schreibt. Umgekehrt wirken diese Effekte bei einem (zu) hohem barwertigen Zinsänderungsrisiko und einer zu langen Anlagestrategie.
Mit einer Szenario-Matrix-Analyse lässt sich das Spannungsfeld zwischen barwertiger und periodischer Betrachtung anschaulich in einem integriertem Ziel-Korridor darstellen: Ein Institut mit zu geringem Zinsänderungsrisiko oder zu hohem Zinsänderungsrisiko hat in Stressphasen eine - nicht gewollte - viel zu hohe Ergebnisvolatilität. Die Zielzone einer passiven Zinsbuchstrategie liegt bewusst in einem Bereich, der über alle relevanten Szenarien hinweg relativ stabile Ergebnisse liefert. Nicht das Maximum in einem Szenario ist das Ziel, sondern die Minimierung extremer Ausschläge über das gesamte Spektrum.