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Im Industrie Club Düsseldorf diskutierte Prof. Dr. Lars Feld, Direktor des Walter-Eucken-Instituts und langjähriger Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, mit Vorstandsmitgliedern von Banken und Versicherungen zur aktuellen Finanz- und Wirtschaftslage. In seiner Begrüßung und seinem Einführungsstatement wies Gastgeber Thorsten Helbig, Managing Director des zeb, auf die hierzulande seit anderthalb Jahrzehnten anhaltende Reformschwäche hin, die inzwischen auf eine geopolitische Gemengelage pralle, die von den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und im Nahen und Mittleren Osten, den Unwägbarkeiten in den transatlantischen Beziehungen, der Abkehr von einer einst regelbasierten internationalen Wirtschaftsordnung und dem Zerfall in Einflusszonen von Großmächten geprägt sei.
Professor Feld skizzierte den enormen Handlungsdruck, dem die Politik ausgesetzt sei – doch sie müsse jetzt endlich liefern. Als Verfechter einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik warnte er eindringlich vor strukturellen Defiziten. Er sieht Deutschland in einer tiefen Strukturkrise und fordert eine Abkehr von reiner Subventionspolitik hin zu mehr Wettbewerb. Feld betonte, dass Deutschland kein Nachfrage-, sondern ein massives Angebotsproblem habe, da der Standort schlichtweg zu teuer für Investitionen geworden sei. Um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, mahnte er eine Senkung der Arbeitskosten an.
In seinen Ausführungen warnte der Freiburger Wirtschaftsprofessor auch eindringlich davor, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb drohe, den Anschluss zu verlieren und immer weiter zurückfalle. Die Probleme seien überwiegend hausgemacht. Zu hohe Energiekosten, zu viel Bürokratie, aber zu wenig Innovation. Sein Credo: mehr Mut, mehr Tempo, mehr Unternehmertum. Wenn die Probleme nicht gelöst werden würden, wachse der Frust im Lande und damit auch die Stärke der politischen Ränder.
Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Deutschland brauche keinen weiteren Stillstand, sondern endlich wieder „Lust auf Zukunft“. So sei zum Beispiel eine umfassende Steuerreform von Nöten. „Sie wäre genau das richtige Signal, dass sich in Deutschland etwas zum Guten bewegt“. Eine große Steuerreform sei zwar ambitioniert und anspruchsvoll, aber „Ambitionslosigkeit kann sich der Standort Deutschland in der aktuellen Lage nicht mehr leisten“, so Feld.