Eine Nahaufnahme einer Leiterplatte
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IT-Transformation bei Versicherern
# 6

Testmanagement

Management Summary   

In vielen Transformationsprojekten wird die strategische Bedeutung eines früh verankerten und durchgängig mitgedachten Testmanagements unterschätzt. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten entlang der Teststufen, ein Testansatz, der das gewählte Vorgehensmodell widerspiegelt, sowie ein systematisches Qualitäts- und Fortschrittsmonitoring. 

Ergänzend tragen eine konsequente Verankerung in der Governance, die Nutzung standardisierter Tools sowie die enge Abstimmung mit angrenzenden Prozessen wie dem Release- und Umgebungsmanagement maßgeblich zu effizienten Abläufen bei. 

Durch diese integrierte Herangehensweise lassen sich Risiken reduzieren, Meilensteine zuverlässig erreichen und ein stabiler Übergang in den Betrieb gewährleisten.

Kapitel 1

Ausgangslage

Kein Projekt ohne Testmanagement

Die Bedeutung eines wirksamen Testmanagements ist unbestritten – kaum eine IT-Transformation kommt ohne dedizierte Testorganisation aus. Daher liegt die Erwartung nahe, dass Testmanagement in den meisten Organisationen bereits professionell etabliert ist. Unsere Praxiserfahrung zeigt jedoch, dass Testmanagement häufig zu spät adressiert, nicht durchgängig E2E gedacht und in seiner strategischen Rolle unterschätzt wird. Gleichzeitig existiert keine Standardlösung.

Ein wirksames Testmanagement muss konsequent an das jeweilige Projektvorgehen angepasst werden.

Kapitel 2

Herausforderungen

Was ist wichtig, was muss vermieden werden?

Unzureichende Verankerung von Testmanagement im Gesamtprojekt
In vielen Transformationsprojekten wird das Testmanagement erst spät – meist kurz vor ersten Einführungsterminen oder Abnahmen – als eigenständiger Stream etabliert. Dadurch fehlt eine projektweit gelebte Teststrategie, die Zeit, Qualität und Budget absichert. Die Folgen sind Testschulden und schwer schließbare Dokumentationslücken. Zudem wird Testmanagement oft nicht über den gesamten Softwarelebenszyklus hinweg betrachtet. Eine fehlende frühzeitige Einbindung in die Anforderungsanalyse verhindert die durchgängige Verknüpfung von Anforderungen und Testfällen und wirkt sich negativ auf die Testfallabdeckung aus.

Shift Right und mangelnde Steuerungstransparenz 
Eine zentrale Herausforderung im Testkontext bei Transformationsprojekten ist der sogenannte Shift Right – die Verlagerung von Testaufwänden in nachgelagerte Teststufen. Umsetzungsteams orientieren sich häufig an eng getakteten Meilensteinen und priorisieren funktionale Erweiterungen gegenüber einer umfassenden Testabdeckung. Dadurch entstehen Testschulden, die in späteren E2E-Tests nur begrenzt aufgearbeitet werden können. Fehler oder konzeptionelle Lücken werden oft erst kurz vor einem Meilenstein sichtbar, wenn Handlungsspielräume gering sind. Verstärkt wird dieses Risiko durch das Fehlen eines übergreifenden KPI-Systems, das Testfortschritt, Abdeckung und Qualität objektiv messbar macht – Entscheidungen basieren dann häufig auf Einschätzungen statt auf belastbaren Daten.

Technische Ineffizienzen im Test- und Umgebungsmanagement
Eine weitere Herausforderung in Transformationsprojekten sind operative Ineffizienzen im Testbetrieb. Zentrale Tools wie Jira, Zephyr Scale oder X-Ray werden nicht einheitlich und konsequent genutzt. Regressionstests werden oft manuell durchgeführt, was Zeit bindet und die Fehleranfälligkeit erhöht. Gleichzeitig fehlt eine strategische Verankerung der Testautomatisierung über Systeme und Streams hinweg – Automatisierung erfolgt punktuell statt strukturiert. Zudem sind instabile oder unpassende Testumgebungen ein wiederkehrendes Problem im Testbetrieb: Unvollständige Deployments, fehlerhafte Services oder inkonsistente Datenstände führen regelmäßig zu Testabbrüchen und Nacharbeiten, die Zeitpläne zusätzlich belasten.

Kapitel 3

Lösungen

Bausteine im Testmanagement

Test als integraler Bestandteil im Projekt und Entwicklungsprozess
Eine umfassende Teststrategie bzw. ein übergreifendes Testrahmenkonzept muss von Beginn an fester Bestandteil des Projekts sein und sich eng am Vorgehensmodell des Projekts orientieren. Je nach Projektvorgehen kann dies bedeuten, dass Testaktivitäten beispielsweise stärker und gebündelt in Phasen vor einem Meilenstein oder regelmäßiger entlang des sukzessiven Weiterentwicklungsfortschritts geplant werden. Entscheidend ist dabei die konsequente Ausrichtung des Testvorgehens an der Projektplanung, sodass der Aufwand und die Entscheidungswege im Umfang und Timing zum Projektvorgehen passen. Damit können Engpässe oder Leerlauf sowie Verzögerungen vermieden werden.

Wesentlich bleibt darüber hinaus die frühzeitige Abstimmung mit angrenzenden Prozessen – etwa die Ausrichtung von Testzyklen auf PIs im agilen Kontext. Ebenso wichtig ist die Einbindung des Testmanagements in die Governance-Strukturen des Projekts: Nur wenn Tests in Entscheidungen zu Scope, Priorisierung und Meilensteinsteuerung systematisch berücksichtigt werden, lassen sich Qualitätserwartungen verbindlich verankern und Zielkonflikte frühzeitig adressieren.

Zentral ist zudem die Einbindung des Testmanagements bereits in der Anforderungsphase: Die Definition geeigneter Testfälle sollte eine zwingende Voraussetzung für die Bearbeitung von Umsetzungstickets sein. 

  • Nur durch diese durchgängige Verknüpfung von Anforderungen, Testfällen und Ergebnissen entsteht E2E-Transparenz über Qualität, Abdeckung und mögliche Abweichungen zwischen fachlicher Erwartung und technischer Umsetzung im gesamten Entwicklungsprozess (siehe Abbildung).
Entwicklung
Test
   Anforderungen
   Testfälle
   Defects und Einschränkungen  
   Workarounds
 
 
Heute
   PI 25.4
   PI 25.2
   PI 25.3
Anforderung 1
(umgesetzt)
 
 
 
Testfall 1
(fehlgeschlagen)
 
 
 
Defect
(identifiziert im Rahmen von Tests
 im Projekt)
 
Workaround
(temporär, bis Defect
gelöst ist)
 
Testfall n
(erfolgreich)
Anforderung 2
(umgesetzt)
 
Defect
(identifiziert im
Produktionsbetrieb)
 
Workaround
(temporär, bis Defect
gelöst ist)
Anforderung 3
(noch nicht
umgesetzt)
 
Einschränkung
(durch noch nicht
umgesetzte Anforderung)
 
Workaround
(temporär, bis Anforderung erfolgreich
umgesetzt ist)
 

Shift Right vermeiden durch konsequente Einhaltung der Verantwortlichkeiten im Test 
Ein wirksames Testmanagement erfordert eine klare organisatorische Verankerung der Verantwortlichkeiten entlang der Teststufen. Während die Umsetzungsteams die Qualität auf der Komponenten- und häufig auch auf der Systemtestebene sicherstellen, liegt die Verantwortung für die übergreifende Teststeuerung, die Überwachung der Testabdeckung und die Durchführung zentraler E2E-Prozesstests beim zentralen Test- und Qualitätsmanagement.

Entscheidend ist, dass der Übergang zwischen diesen Ebenen über verbindliche Quality Gates geregelt ist. Diese dürfen – auch unter Zeitdruck vor Meilensteinen – nicht aufgeweicht werden. Ergänzend nimmt das Testmanagement eine qualifizierende Rolle ein: Es bewertet die Softwarequalität als Grundlage für Meilensteinentscheidungen und gibt eine Empfehlung ab, ob definierte Qualitätsziele sowie vertraglich relevante Liefergegenstände der Dienstleister erreicht sind. Diese Einschätzung bildet einen essenziellen Input für die Projektleitung, da sie sowohl den Projekterfolg als auch die Sicherstellung eines stabilen Produktionsbetriebs maßgeblich beeinflusst.

Tooling etablieren und enge Abstimmung zwischen Querschnittsfunktionen sicherstellen
Eine effiziente Testorganisation steht und fällt mit der Nutzung einheitlicher Tools und klarer toolübergreifender Schnittstellen. Zentrale Tools wie Jira, Zephyr Scale oder X-Ray sollten frühzeitig als Projektstandard etabliert werden – inklusive dokumentierter Workflows, Anwenderschulungen und einer konsequenten Nutzungskontrolle. Dadurch lassen sich Testfortschritt, Abdeckungsgrade und Dokumentationspflichten konsistent nachhalten, was langfristig Aufwände in Abnahmeprozessen sowie beim Aufbau eines Regressionstestportfolios reduziert.

Die standardisierte Nutzung dieser Tools stärkt zudem das Defect-Management, da Transparenz über den Status, die Zusammenhänge und die Priorität der Defects entsteht sowie nachträgliche Pflegeaufwände durch eine saubere Ersterfassung minimiert werden. Erforderlich sind dafür klar definierte und kommunizierte Vorgaben zur Defect-Erfassung und -Pflege sowie transparente Workflows, die auch die Synchronisation mit dem Vendor einschließen. Nur wenn Tickets von Beginn an möglichst vollständig – etwa mit relevanten Logauszügen – vorliegen, lassen sich unnötige Liegezeiten und Rückfragen vermeiden.

Ebenso wichtig ist die enge Abstimmung mit Querschnittsfunktionen wie dem Umgebungs- und Releasemanagement. Eine koordinierte Planung von Deployments, Datenständen und Testumgebungen bildet die Basis für eine effiziente und erfolgreiche Testdurchführung, um die Einhaltung enger Zeitpläne in Transformationsvorhaben zu gewährleisten.

Kapitel 4

Fazit und Ausblick

Fazit

Versicherer, die Testmanagement von Anfang an als integralen Bestandteil ihrer Projekte verstehen und E2E mitdenken, profitieren auf mehreren Ebenen. Zum einen lassen sich Projektrisiken deutlich reduzieren, da Fehler, Lücken und Inkonsistenzen frühzeitig erkannt und adressiert werden. Zum anderen wird die Umsetzung von Transformationen planbarer und effizienter, da Qualität, Fortschritt und Abdeckung durchgehend transparent sind. 

Eine konsequente Einbindung in Governance-Strukturen, die Projektplanung und angrenzende Prozesse sichert nicht nur die Termintreue, sondern legt auch die Grundlage für stabilen Betrieb und somit für einen nachhaltigen Projekterfolg. Letztlich wird Testmanagement so zu einem strategischen Hebel, der Projekte schneller, risikoärmer und erfolgreicher macht.

 

Ausblick

Im folgenden Artikel der Serie betrachten wir die Migration von Beständen von der alten auf die neue Plattform

Welche Aspekte gilt es in der Migrationsstrategie zu berücksichtigen? In welchen Phasen läuft eine Migration üblicherweise ab und was zeichnet diese aus?

Alle Artikel auf einen Blick

Im Rahmen dieser Artikelserie veröffentlichen wir Beiträge rund um das Thema IT-Transformation.  

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