Diverse Optionen
Die möglichen Modernisierungsszenarien lassen sich in drei übergeordnete Kategorien einteilen, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte und Implikationen haben.
1. Fokus auf bestehende Lösung
Hier steht die Weiterentwicklung oder technische Stabilisierung des bestehenden Systems im Vordergrund. Ziel ist es, die betriebliche Kontinuität zu sichern und die im System gebundene Wertschöpfung zu erhalten. Typische Ausprägungen sind:
- Weiterbetrieb („Keep the lights on“)
- Migration in eine neue Infrastruktur („Lift & Shift“)
- Technische Überarbeitung oder Refactoring
Diese Ansätze bieten sich vor allem an, wenn das System spezifische Anforderungen erfüllt, die nicht ohne Weiteres durch Standardlösungen abgedeckt werden können, oder wenn eine hohe Abhängigkeit von bestehenden Prozessen besteht.
2. Fokus auf neue Lösung (intern)
In diesem Szenario wird eine maßgeschneiderte Lösung innerhalb des Unternehmens entwickelt. Konzeption, Entwicklung und Betrieb werden vollständig intern verantwortet. Vorteile sind eine hohe Flexibilität und die Möglichkeit, individuelle Anforderungen optimal umzusetzen. Gleichzeitig sind diese Ansätze oft mit höheren Aufwänden und Risiken verbunden, insbesondere hinsichtlich Ressourcenbedarf und langfristiger Wartbarkeit.
3. Fokus auf neue Lösung (extern)
Hier erfolgt die Modernisierung durch die Einbindung externer Partner und die Nutzung von Standardlösungen. Die Bandbreite reicht von vollständig standardisierten Ansätzen bis hin zu hybriden Modellen, bei denen Standardsoftware gezielt erweitert oder angepasst wird. Externe Lösungen bieten häufig Vorteile in Bezug auf Skalierbarkeit, Innovationsgeschwindigkeit und Kostenkontrolle. Allerdings erfordern sie eine sorgfältige Auswahl und Anpassung an die spezifischen Unternehmensanforderungen.
Auswahl und Bewertung
Ein bewährter Ansatz zur Auswahl und Bewertung von Modernisierungsszenarien ist ein stufenweises, strukturiertes Vorgehen. Dieses lässt sich in mehrere Phasen unterteilen:
Eingrenzung des Lösungsraums
Zu Beginn werden auf Basis der strategischen Leitplanken (z. B. IT- oder Cloud-Strategie) drei bis fünf relevante Optionen identifiziert. Diese Vorauswahl erfolgt unter Berücksichtigung der Unternehmensziele, der bestehenden Systemlandschaft und der wichtigsten Anforderungen aus den Fachbereichen und der IT.
Grobe Bewertung der Optionen
Die identifizierten Szenarien werden detailliert anhand zentraler Dimensionen bewertet, um ihre grundsätzliche Eignung einzuschätzen. In den Bewertungskriterien sollten neben den Kosten für Run und Change u.a. auch Fragestellungen hinsichtlich des Bedarfs an notwendigem internen Know-how, der Integrierbarkeit in die bestehende Systemlandschaft oder auch der Zukunftsorientierung und des Innovationspotenzials einbezogen werden.
Diese anfängliche Bewertung dient dazu, die Stärken und Schwächen der Ansätze sichtbar zu machen und erste Optionen auszuschließen.
Detaillierte Analyse der verbleibenden Optionen
Die verbleibenden Szenarien werden im nächsten Schritt detaillierter analysiert. Ziel ist es, eine fundierte und nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Dabei gilt es u.a., die folgenden Fragen zu beantworten:
- Welche Funktionen werden heute abgedeckt? Welche Anforderungen ergeben sich daraus für die Zukunft?
- Welche Schnittstellen zu und Abhängigkeiten von Umsystemen bestehen? Welche Anpassungen sind erforderlich?
- Welche Aufwände sind mit den einzelnen Szenarien verbunden? Wie lassen sich diese quantifizieren und vergleichen?
In dieser Phase empfiehlt es sich, die Analyse auf entscheidungsrelevante Aspekte zu fokussieren und dabei frühzeitig die notwendige Detailtiefe festzulegen, die eine belastbare Entscheidungsgrundlage schafft.
Einbindung relevanter Stakeholder
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die frühzeitige und kontinuierliche Einbindung von Fachbereichen und der IT. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle relevanten Anforderungen und Rahmenbedingungen berücksichtigt werden und die Akzeptanz der gewählten Lösung hoch ist.
Dokumentation und Nachvollziehbarkeit
Die Ergebnisse der Analyse sollten transparent dokumentiert werden, damit sie als Grundlage für die weitere Umsetzung dienen können und die Entscheidungsfindung nachvollzogen werden kann. Dazu gehören insbesondere die getroffenen Annahmen, die Bewertungskriterien und die wichtigsten Erkenntnisse aus der Analyse.