Das Geschäft mit Firmenkunden gehört zu den wichtigsten Erfolgsbringern im Sparkassensektor und macht im Schnitt fast die Hälfte der Erträge aus. Deshalb ist es für ein Institut im süddeutschen Raum ein ernst zu nehmendes Signal, wenn Unternehmer:innen aus der Region offen Kritik an ihrer Sparkasse äußern. Der Ärger ist nachvollziehbar. Tatsächlich dauert die Zusage für einen Kredit im Firmen- und Unternehmenskundensegment im Schnitt 40 Tage! Das ist viel zu lang für mittelständische Firmen, die dringend investieren wollen. Entsprechend fallen die Kommentare in den lokalen Unternehmerzirkeln aus: Zu langsam und zu behäbig sei die Sparkasse.
Der Vorstand greift ein
Als die ersten Kunden zu Wettbewerbern wechseln, handelt der Vorstand: Die Bearbeitungsdauer für Kreditanfragen von Firmen- und Unternehmenskunden muss drastisch sinken. Die zuständigen Abteilungen sollen sich nicht mehr an Einzelfällen abarbeiten, sondern durch eine effizientere Abstimmung schneller zu Ergebnissen kommen.
Diese Sparkasse steht mit ihren Problemen nicht allein da. Viele Institute kämpfen mit langen Bearbeitungszeiten im Kreditgeschäft. Der DSGV hat deshalb mit dem Projekt „Gewerbliches Kreditgeschäft der Zukunft“ (GdZ) einen Rahmen geschaffen, der Abläufe standardisiert, automatisiert und beschleunigt. Daran orientiert sich auch dieses Projekt.
Der Vorstand der süddeutschen Sparkasse will so schnell wie möglich loslegen. Wir haben bereits zahlreiche Häuser bei ähnlichen Vorhaben begleitet und können auf langjährige Erfahrung zurückgreifen. Mit einem erfahrenen fünfköpfigen Team sind wir im aktuellen Projekt vor Ort.
Wo drückt der Schuh?
Zunächst analysieren wir die Prozesse. Wir prüfen interne Anweisungen und lassen uns die praktischen Abläufe erklären. Wo läuft es rund und wo nicht? Um diese Frage zu beantworten, führen wir zunächst 25 Gespräche mit Führungskräften und Mitarbeitenden. Darauf aufbauend veranstalten wir gemeinsam mit den Beteiligten aus Markt und Marktfolge zwei ganztägige Workshops zum Thema „Prozessbegehungen“, in denen wir Ist-Prozesse ablaufen, mit Standards aus der Sparkassen-Finanzgruppe sowie Good Pracitces anderer Sparkassen abgleichen und so die „Schmerzpunkte“ herausarbeiten. Zugleich fertigen wir eine Potenzialanalyse an, die zeigt, welche Erträge der Sparkasse aufgrund ihrer derzeitigen Arbeitsweise entgehen.
Schnell bestätigt sich der Eindruck, dass es vor allem die Zusammenarbeit zwischen Kundenberatung (Markt) und Kreditprüfung (Marktfolge) ist, die das Bearbeitungstempo bremst. Auf beiden Seiten herrscht Silodenken. Zu Verzögerungen führen beispielsweise die Bewertung gewerblicher Immobilien und die nachgelagerte zentrale Kreditkontrolle. Die für die Risikoprüfung wichtigen Etappen sind spät im Ablauf angesiedelt, was zu Bearbeitungsschleifen führt.