Ein Kran neben einem Gebäude

Vom Bremsklotz zum Beschleuniger – gewerbliches Kreditgeschäft optimiert

Eineinhalb Monate bis zur Kreditentscheidung – da reißt vielen Firmenkunden der Geduldsfaden. Eine süddeutsche Sparkasse ordnet deshalb ihre Abläufe neu. Straffe Zusammenarbeit und klare Ziele sorgen für mehr Tempo und kürzere Bearbeitungszeiten.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Tempo ist ein Wettbewerbsfaktor: Wer Firmenkunden 40 Tage auf eine Kreditentscheidung warten lässt, riskiert nicht nur schlechte Stimmung, sondern den Kunden selbst.
  2. Silodenken kostet Zeit: Schnellere Kredite entstehen vor allem dann, wenn Markt und Marktfolge früher und enger zusammenarbeiten.
  3. Erst Prozesse, dann KI: Klare Abläufe und Zuständigkeiten schaffen die Basis. Automatisierung und KI können anschließend den nächsten Temposchub bringen.

Das Projekt

Das Geschäft mit Firmenkunden gehört zu den wichtigsten Erfolgsbringern im Sparkassensektor und macht im Schnitt fast die Hälfte der Erträge aus. Deshalb ist es für ein Institut im süddeutschen Raum ein ernst zu nehmendes Signal, wenn Unternehmer:innen aus der Region offen Kritik an ihrer Sparkasse äußern. Der Ärger ist nachvollziehbar. Tatsächlich dauert die Zusage für einen Kredit im Firmen- und Unternehmenskundensegment im Schnitt 40 Tage! Das ist viel zu lang für mittelständische Firmen, die dringend investieren wollen. Entsprechend fallen die Kommentare in den lokalen Unternehmerzirkeln aus: Zu langsam und zu behäbig sei die Sparkasse.

Der Vorstand greift ein

Als die ersten Kunden zu Wettbewerbern wechseln, handelt der Vorstand: Die Bearbeitungsdauer für Kreditanfragen von Firmen- und Unternehmenskunden muss drastisch sinken. Die zuständigen Abteilungen sollen sich nicht mehr an Einzelfällen abarbeiten, sondern durch eine effizientere Abstimmung schneller zu Ergebnissen kommen.

Diese Sparkasse steht mit ihren Problemen nicht allein da. Viele Institute kämpfen mit langen Bearbeitungszeiten im Kreditgeschäft. Der DSGV hat deshalb mit dem Projekt „Gewerbliches Kreditgeschäft der Zukunft“ (GdZ) einen Rahmen geschaffen, der Abläufe standardisiert, automatisiert und beschleunigt. Daran orientiert sich auch dieses Projekt.

Der Vorstand der süddeutschen Sparkasse will so schnell wie möglich loslegen. Wir haben bereits zahlreiche Häuser bei ähnlichen Vorhaben begleitet und können auf langjährige Erfahrung zurückgreifen. Mit einem erfahrenen fünfköpfigen Team sind wir im aktuellen Projekt vor Ort.

Wo drückt der Schuh?

Zunächst analysieren wir die Prozesse. Wir prüfen interne Anweisungen und lassen uns die praktischen Abläufe erklären. Wo läuft es rund und wo nicht? Um diese Frage zu beantworten, führen wir zunächst 25 Gespräche mit Führungskräften und Mitarbeitenden. Darauf aufbauend veranstalten wir gemeinsam mit den Beteiligten aus Markt und Marktfolge zwei ganztägige Workshops zum Thema „Prozessbegehungen“, in denen wir Ist-Prozesse ablaufen, mit Standards aus der Sparkassen-Finanzgruppe sowie Good Pracitces anderer Sparkassen abgleichen und so die „Schmerzpunkte“ herausarbeiten. Zugleich fertigen wir eine Potenzialanalyse an, die zeigt, welche Erträge der Sparkasse aufgrund ihrer derzeitigen Arbeitsweise entgehen.

Schnell bestätigt sich der Eindruck, dass es vor allem die Zusammenarbeit zwischen Kundenberatung (Markt) und Kreditprüfung (Marktfolge) ist, die das Bearbeitungstempo bremst. Auf beiden Seiten herrscht Silodenken. Zu Verzögerungen führen beispielsweise die Bewertung gewerblicher Immobilien und die nachgelagerte zentrale Kreditkontrolle. Die für die Risikoprüfung wichtigen Etappen sind spät im Ablauf angesiedelt, was zu Bearbeitungsschleifen führt.

Das Ergebnis

Mit den gesammelten Informationen geht es zum Vorstand, der gemeinsam mit uns ein Zielbild erarbeitet und klare Leitplanken festschreibt. Eine entscheidende Forderung lautet: Für einen Kredit im Firmen- und Unternehmenskundensegment soll die Bearbeitungszeit von 40 auf 20 Tage sinken. Bei kleinteiligen Kreditanfragen muss es entsprechend deutlich schneller gehen. Im Nachhinein erweist sich dieser Workshop als entscheidender Meilenstein der Transformation.

Um das Zielbild umzusetzen, ist es wichtig, dass Markt und Marktfolge an einem Strang ziehen. Die Mitarbeitenden beider Abteilungen müssen Verständnis für die Aufgaben der anderen Seite aufbringen. Doch wenn sich lieb gewonnene Gewohnheiten ändern sollen, gibt es naturgemäß Widerstände – das ist auch hier der Fall. Um Vorbehalte abzubauen und Akzeptanz für die Veränderungen zu schaffen, entwickeln die Mitarbeitenden alle Verbesserungsvorschläge gemeinsam. Das Vertrauen zwischen den Verantwortlichen beider Seiten wächst zusätzlich in gemeinsamen Workshops, die im Schnitt alle zwei Wochen stattfinden.

Etappenziel erreicht – das Projekt geht weiter

Die ersten Erfolge stellen sich nach einem Jahr ein. Die Bearbeitungszeiten sinken und liegen derzeit für einen Millionenkredit bei etwa 25 bis 30 Tagen. Die Sparkasse ist also auf dem Zielpfad und zuversichtlich, die Marke von 20 Tagen zu erreichen – vor allem mit der Weiterentwicklung der IT-Werkzeuge, die nun sukzessive durch das DSGV-Projekt „Gewerbliches Kreditgeschäft der Zukunft“ (GdZ) ausgerollt werden.

Künftig sollen keine wichtigen Informationen mehr in Einzelschritten übertragen werden, sondern mithilfe künstlicher Intelligenz automatisch in die Risikoprüfung einfließen. So werden die Prozesse weiter beschleunigt, und die Berater:innen gewinnen Zeit für das, was den Unterschied macht – die persönliche Betreuung ihrer Firmen- und Unternehmenskunden.

Übrigens: In den Unternehmerzirkeln der Region ist von langen Wartezeiten kaum noch die Rede. Stattdessen wird wieder über Tempo, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit der Sparkasse gesprochen.

Sie haben Fragen? Sprechen Sie uns gerne an!

 
Tobias Rostek, zeb

Tobias Rostek

Senior Manager

Alexander Nehls

Alexander Nehls

Manager