In Alarmbereitschaft
Wenn die Finanzaufsicht eine Sonderprüfung ankündigt, ist eine gute Vorbereitung hilfreich. Für die Sparda-Bank Hannover eG hat zeb deshalb den Ernstfall simuliert – so realistisch wie möglich.
Wenn die Finanzaufsicht eine Sonderprüfung ankündigt, ist eine gute Vorbereitung hilfreich. Für die Sparda-Bank Hannover eG hat zeb deshalb den Ernstfall simuliert – so realistisch wie möglich.
Der Brief, der die Sparda-Bank Hannover eG im Januar 2026 erreicht, kommt sofort zur Sache. Im Betreff heißt es: „Prüfung Ihres Geschäftsbetriebs nach § 44 Abs. 1 Satz 2 KWG“. Was folgt, ist eine Mischung aus Paragrafen und Belehrungen. Die Prüfung erstreckt sich auf die „Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsorganisation“ und ist ein Instrument der Bankenaufsicht, das „auch ohne besonderen Anlass angeordnet werden kann.“ Die Botschaft: Unsere Prüfer:innen kommen, Widerstand zwecklos.
Unter normalen Umständen würde nun im ganzen Haus Unruhe ausbrechen. Eine Sonderprüfung gemäß § 44 des Kreditwesengesetzes, auch als 44er-Prüfung bekannt, ist eines der mächtigsten Instrumente der Bankenaufsicht in Deutschland. Sie wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) angeordnet und meist von Prüfer:innen der Bundesbank durchgeführt. Für Banken steht viel auf dem Spiel. Werden schwere Mängel festgestellt, können nicht nur Bußgelder verhängt werden. Es drohen zudem höhere Eigenkapitalanforderungen und im schlimmsten Fall sogar eine Einschränkung der Geschäftstätigkeit.
„Auch wenn es dazu im Normalfall nicht kommt, sind die betroffenen Banken doch immer in Alarmbereitschaft“, sagt Lennart Book, zeb-Experte für die Prüfungsvorbereitung. „Niemand hat gerne Prüfer:innen im Haus, die jeden Stein umdrehen.“ Entkommen kann man einer solchen Prüfung, die in größeren zeitlichen Abständen und risikoorientiert durchgeführt wird, allerdings nicht. „Die Frage ist also nicht, ob sie kommt, sondern wann – und wie gut man dann vorbereitet ist“, sagt Book.
Die Sparda-Bank Hannover eG wollte so gut wie möglich vorbereitet sein. Zum einen waren seit der letzten Sonderprüfung bereits über zehn Jahre vergangen. Zum anderen hatten sich die regulatorischen Anforderungen seitdem deutlich weiterentwickelt. Die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) waren in mehreren Novellen verschärft worden. Auch die Ansprüche der Bankenaufsicht in Sachen Prüfungsintensität und Dokumentation waren deutlich gestiegen. In dieser Situation wollte die Sparda-Bank Hannover eG wissen: Wie gut sind wir wirklich aufgestellt? Was würden Prüfer:innen von außen vielleicht bemängeln – trotz aller internen Vorkehrungen, die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen?
Eingeweiht waren nur der Vorstand und ein Bereichsleiter
Die Sparda-Bank Hannover eG hat sich deshalb zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden. Sie hat zeb mit der Simulation einer 44er-Prüfung im Bereich Gesamtbanksteuerung beauftragt. „Die Vorgabe war, es wirklich so realistisch wie möglich zu machen“, sagt Lennart Book. Deshalb auch der Brief, der die Bank im Januar 2026 erreicht: Er ähnelt in seiner Formulierung dem Schreiben, mit dem sich auch die Prüfer:innen der Finanzaufsicht ankündigen würden. Nur wer genau hinschaut, erkennt den tatsächlichen Absender: zeb. In den darauffolgenden Wochen schlüpfen Lennart Book und seine zeb-Kolleg:innen in die Rolle von Bundesbanker:innen. Zunächst prüfen sie anhand von Unterlagen, ob die institutsinternen Regelungen mit den Anforderungen der Bankenaufsicht übereinstimmen (intern häufig als Soll-Soll-Vergleich bezeichnet). Reichen die von der Bank zur Verfügung gestellten Unterlagen aus ihrer Sicht nicht aus, haken sie bestimmt und präzise nach, manchmal auch noch spät am Abend.
Im Nachgang zur Durchsicht der zur Verfügung gestellten Unterlagen ergäben sich aus Sicht der Prüfer:innen noch „wesentliche Klärungs- und Nachweiserfordernisse“, schreibt Lennart Book am 18. März um 22:57 Uhr in einer Mail an den zuständigen Bereichsleiter der Bank. Dann folgt eine lange Liste mit der Bitte um „vollständige, nachvollziehbare und dokumentengestützte Stellungnahme“ innerhalb von zwei Tagen. Später, während des Soll-Ist-Vergleichs, für den Mitarbeitende zur gelebten Praxis innerhalb der Bank interviewt worden seien, habe es teilweise sogar richtig hitzige Debatten gegeben, sagt Book. „Wir haben da schon sehr hart nachgefragt.“ Natürlich habe das auch Spaß gemacht, nicht zuletzt, weil die Sparda-Bank Hannover eG das Spiel genauso ernsthaft mitgespielt habe.
Warum Banken gleich doppelt profitieren
So witzig und hitzig es während des Projekts teilweise zuging – so fundiert waren die gewonnenen Erkenntnisse.
Die Sparda-Bank Hannover eG ist heute gut auf eine mögliche Sonderprüfung vorbereitet. Im Rahmen der Simulation wurden einzelne Handlungsfelder identifiziert, analog einer echten §-44-Prüfung nach Schweregrad (F1 bis F4) strukturiert und gemeinsam mit der Bank mit konkreten, pragmatischen Maßnahmen hinterlegt und diskutiert.
„Aus unserer Sicht profitieren Banken von einer solchen Simulation gleich doppelt“, sagt Lennart Book. „Zum einen wissen sie, wo sie ansetzen müssen, um bei einer echten 44er-Prüfung keine bösen Überraschungen zu erleben. Zum anderen haben sie die Prüfungssituation schon einmal durchgespielt und werden auf diese Erfahrung im Ernstfall zurückgreifen können.“ Gerade Banken, bei denen eine Sonderprüfung schon mehrere Jahre zurückliegt, sollten eine Simulation daher in Erwägung ziehen.