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Wie gehen Regionalbanken mit wachsenden ESG-Anforderungen um – und worauf kommt es jetzt in der Praxis an? Drei Fragen an Dr. Bernd Liesenkötter, Partner bei zeb, über Regulierung, Datenlücken und die strategische Bedeutung eines vorausschauenden Umgangs mit Nachhaltigkeitsrisiken.
Dr. Bernd Liesenkötter: Weil ESG-Risiken längst kein Randthema mehr sind, sondern Schritt für Schritt in die reguläre Banksteuerung übergehen. Für Regionalbanken heißt das: Sie sollten frühzeitig verstehen, welche Auswirkungen Klima-, Umwelt- oder Transformationsrisiken auf ihr Geschäftsmodell haben können. Wer sich erst spät damit auseinandersetzt, erhöht nicht nur den Umsetzungsdruck, sondern läuft auch Gefahr, in Prüfungen schlecht vorbereitet zu wirken. Entscheidend ist weniger Perfektion als ein plausibler, nachvollziehbarer Umgang mit den eigenen Risiken.
Dr. Bernd Liesenkötter: Die größte Hürde ist oft nicht der Wille zur Umsetzung, sondern die Datenbasis. Gerade bei kleineren und mittleren Firmenkunden oder im Immobilienbestand fehlen vielfach belastbare Informationen, etwa zu Emissionen oder energetischer Qualität. Deshalb brauchen Banken einen pragmatischen Ansatz: Wo exakte Daten fehlen, müssen sinnvolle Annahmen, Näherungswerte und qualitative Bewertungen möglich sein. Wichtig ist, dass der Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum Steuerungsnutzen steht – sonst entsteht Bürokratie, aber kein echter Mehrwert.
Dr. Bernd Liesenkötter: Banken können sich über ESG-Kompetenz klar differenzieren – vor allem dann, wenn sie Anforderungen nicht nur abfragen, sondern verständlich einordnen und in gute Beratung übersetzen. Kunden erwarten Orientierung, nicht bloß zusätzliche Fragenkataloge. Wer Nachhaltigkeitsanforderungen nachvollziehbar erklärt und sie mit einer klugen Portfoliosteuerung verbindet, stärkt nicht nur die eigene Position im Markt, sondern kann auch neue Finanzierungsimpulse setzen. Genau darin liegt die Chance: ESG nicht nur als Pflicht, sondern als Bestandteil zukunftsfähiger Kundenbeziehungen zu begreifen.