Wie müssen Unternehmen sich verändern, wenn sie in der Digitalisierung Erfolg haben wollen?

Kernaussagen:  

  • Die Digitalisierung revolutioniert die Welt – und den Markt für Finanzdienstleister.
  • Banken brauchen neue Strategien, um morgen noch erfolgreich zu sein.
  • Vorstand und  Führungsebene müssen sich einig

Herr Kulik, Finanzdienstleister und Versicherer wirtschaften heute auf einem ganz anderen Markt als noch vor wenigen Jahren. Provokant gefragt: Ist die Digitalisierung für Unternehmen das Problem oder die Lösung?

MARTIN KULIK: Sagen wir es mit der Kanzlerin: Die Digitalisierung ist alternativlos. Wer die digitale Transformation nicht mitmacht, ist auf alle Fälle raus aus dem Spiel. Das tut weh, weil es Veränderung bedeutet. Und für die Finanzbranche kommen auch noch verschärfende Faktoren wie Niedrigzinsen und verändertes Kundenverhalten dazu. Eine riesige Herausforderung.
 
Agilität scheint ein Königsweg aus dem Dilemma. Was macht ein Unternehmen zu einer agilen Organisation?
Es geht um ein neues Mindset, darum, die Industriezeitalter-Denke zu überwinden, die viele Organisationen heute immer noch prägt. Die Logik der maximalen Spezialisierung und Prozess-Zerlegung, die überkommenen Top-Down-Strukturen… . Moderne Organisationen sind flexibler, alle übernehmen Verantwortung, Ergebnisse werden bereichsübergreifend und kollaborativ erarbeitet. Für einen allein ist die Welt zu komplex.
   
Sie sagen: Vor dem Strategiewandel muss ein Kulturwandel stehen! Können Sie uns das genauer erklären?
Mitarbeiter sind keine Roboter, denen man nur eine neue Lochkarte in den Kopf schieben muss. Sie lernen und reproduzieren im Unternehmen bestimmte Werte und Verhaltensweisen und halten daran umso mehr fest, je erfolgreicher sie damit in der alten Organisation waren. Das bedeutet: Ohne einen vorangehenden Kulturwandel frisst die alte Unternehmenskultur die neue Strategie einfach auf.

Und wie kann der Kulturwandel gelingen?
Voraussetzung ist, dass sich der Vorstand und die Führungsebene einig sind. Gemeinsam entwickeln wir, das heißt, zeb und das Unternehmen, dann ein Zielbild und Leitplanken für eine Strategie. Wir stellen fest, dass es in Unternehmen meistens 20 Prozent Mitarbeiter gibt, die Lust auf Veränderung haben und 20 Prozent die schwer bis gar nicht zu überzeugen sind. Dazwischen bewegt sich die schweigende Mehrheit diese gilt es zu gewinnen.

Das heißt aber umgekehrt, dass einigen die Umstellung nicht gelingt?
Ganz klar, eine hohe Veränderungsbereitschaft ist nicht jedem gegeben. Mit der Veränderung umzugehen, muss man sich antrainieren. Wenn Sie sich die „Fridays for Future”-Bewegung ansehen, haben die Werte und Vorstellungen dieser jungen Generation nichts mehr gemeinsam mit denen eines heute sechzigjährigen CEOs. Die Werte dieser jungen Leute werden aber kommen und zukünftig wichtiger werden. Ein paar Unternehmen wird der Change  gelingen und ein paar nicht. Die sind dann halt eines Tages weg.

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„Voraussetzung ist, dass sich Vorstand und Führungsebene einig sind“

Martin Kulik, Senior Manager, zeb