Dossier_Digitalisierung_Umsteuern_Header

Die Digitalisierung zwingt europäische Banken zum Umsteuern

Was viele verkennen: Transformation ist mehr als Technologie

  • Die 50 größten europäischen Banken lassen notwendige Profitabilität vermissen

  • In der Zukunft ist mit weiteren massiven Belastungen zu rechnen

  • Digitale Banken schneiden in allen relevanten Kennzahlen besser ab

Trügerische Ruhe

Mehr als ein Jahrzehnt nach der globalen Finanzkrise könnte man eigentlich davon ausgehen, dass sich die europäische Kreditwirtschaft inzwischen vollständig erholt hat. In der Tat erzielen die allermeisten Institute – von ausgewählten, teils prominenten Ausnahmen abgesehen – positive Renditen. Dabei wird allerdings ein entscheidender Punkt übersehen: In der Summe erreichen die 50 größten europäischen Banken mit ihrem eigentlichen Kerngeschäft weder die langfristig notwendige und von den Kapitalmärkten geforderte Profitabilität noch entsprechende Wachstumsraten.

Grafik_Dossier_Schwere_See_14von50_Banken.svg

Nur 14 der 50 größten europäischen Banken erreichten 2018 sowohl eine ausreichende CET1-Ratio als auch einen RoE über den Eigenkapitalkosten ...

Die fehlende Profitabilität bleibt das Kernproblem europäischer Banken

In der Zukunft ist mit weiteren massiven Belastungen aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds sowie der unvermindert steigenden Regulationskosten zu rechnen. Auffällig positiv behaupteten sich Institute, die Digitalisierung und zentrale Erfolgsfaktoren der Big Techs frühzeitig adaptiert haben.

Unsere Studie zeigt, dass Banken, die früh und konsequent ihre Geschäftsmodelle und Prozesse digitalisiert haben, in allen relevanten Kennzahlen heute deutlich besser abschneiden als ihre Wettbewerber.

Für unsere European Banking Study haben wir einen eigens entwickelten zeb-Algorithmus erhoben, mit dem ermittelt wurde, wie oft die 50 größten Finanzinstitute Europas in ihren Geschäftsberichten auf den Begriff „Digitalisierung“ Bezug nahmen. Indikator für die Digitalisierung ist damit, welchen Platz diese in der wichtigsten öffentlichen Publikation einer Bank einnimmt. Auf diese Weise konnten wir Banken in drei Gruppen einteilen:
13 Digitalisierungspioniere, die das Thema Digitalisierung sehr früh in den Fokus rückten und es weiterhin besonders hervorheben; 14 Digitalisierungs-„Challenger“, deren Kommunikation zu diesem Thema erst später einsetzte und die es immer noch nicht besonders betonen, und schließlich 23 Banken, die wir als Digitalisierungs-„Follower“ eingestuft haben.

Der Unterschied zwischen den wirtschaftlichen Ergebnissen dieser drei Gruppen in den letzten Jahren ist auffallend groß und hat uns selbst überrascht. Im Durchschnitt übertrafen die Digitalisierungspioniere die Challenger und Follower hinsichtlich jedes relevanten Banken-KPI: So verzeichneten die Pioniere beispielsweise zwischen 2013 und 2018 eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite nach Steuern von 8,7 %, verglichen mit 6,0 % bei den Challengern und nur 2,1 % bei den Followern. Im gleichen Zeitraum steigerten die Pioniere ihr durchschnittliches Betriebsergebnis um 5,1 %, während die durchschnittlichen Renditen der Challenger und Follower um 10,1 % bzw. 9,6  % zurückgingen. Auch beim Vergleich der Costincome Ratio lagen die Digitalisierungspioniere deutlich vor den beiden anderen Gruppen.

„Die digitalen Vorreiter haben Erfolgsfaktoren der Big-Techs adaptiert und beweisen, dass Europas Banken auch in Zukunft am Markt bestehen können.“

Dr. Dirk Holländer, Senior Partner

Der Schlüssel zum Erfolg heißt, vom Vorbild lernen

Weitere Analysen der European Banking Study ergaben, dass sich die erfolgreichen digitalen Pioniere am Vorbild von Big-Tech-Giganten wie Google und Amazon orientieren und sich auf fünf Schlüsselerfolgsfaktoren konzentrieren: konsequente Kundenorientierung, ein einfaches, flexibles Produktportfolio, ein innovationsorientiertes Betriebsmodell, eine erweiterbare Infrastruktur und Omnipräsenz im Alltag ihrer Kunden.

Die wichtigste Erkenntnis? Digitalisierung ist kein Selbstzweck. 
Eine Banking-App auf einem Smartphone generiert nicht automatisch Gewinne, ebenso wenig wie die neueste Backoffice-Banking-Software. Stattdessen müssen Banken die Digitalisierung als Instrument sehen, um eine stärkere, wertschöpfende Kundenorientierung und -bindung in Kombination mit einer effizienten, skalierbaren Bereitstellung von Angeboten zu erreichen.

Grafik_Dossier_Schwere_See_5_Erfolgsfaktoren.svg

5 Erfolgsfaktoren von Amazon, Google & Co.

Digitalisierung als Zauberformel? Nur unter bestimmten Voraussetzungen …

Die Digitalisierung kann in der Tat die „Zauberformel“ sein, die es den europäischen Banken ermöglicht, wieder stabile Gewinne zu erzielen. Allerdings ist hierbei auf die richtige Dosierung und den genauen Anwendungszeitpunkt zu achten, da Banken die Digitalisierung entsprechend ihrer digitalen Reife umsetzen müssen. Vor allem aber müssen sie sicherstellen, dass sie die Mittel nicht mit dem Zweck verwechseln.